IVU head

 

 

 

 

 

 

 

 

Unfallursache, -prävention

Bereits Sigmund Freud hat neben Fehlleistungen wie Vergessen, Versprechen, Verlegen von Gegenständen auch Unfälle als Ergebnisse einer unbewussten Absicht erkannt. Es gibt auch sog. „Unfallpersönlichkeiten“, dies sind Menschen mit einer speziellen Persönlichkeitsstruktur, welche häufiger Unfälle haben und auch ihre Konflikte in Form von Unfällen verarbeiten.
Bei einer Untersuchung ließ sich in den USA schon vor Jahren nachweisen, dass nur 4 % der Autofahrer fast 40 % der Unfälle verursachen, dass es also Menschen gibt, welche erheblich häufiger Unfälle verursachen als andere. Diese Mensche hatten auch bei anderen Tätigkeiten im Leben häufiger Unfälle. Dies zeigt, dass es so etwas wie „unfallanfällige“ Menschen gibt. Wenn sich Unfälle im Leben eines Menschen häufen, so zeigt dies, dass dieser Mensch seine Probleme nicht bewusst gelöst hat. Hierfür gibt es sehr viele Beispiele im täglichen leben.

Die Analyse der Unfallursachen ist der Schlüssel für Unfallverhütung. Wenngleich die Gesamtzahl der Unfälle nicht so stark zurückgegangen ist, hat sich jedoch im Straßenverkehr die Zahl der Verkehrstoten erheblich reduziert und dies obwohl die Verkehrsdichte um ein Vielfaches gestiegen ist. An dieser erfreulichen Entwicklung sind Maßnahmen im Automobilbau, Rettungswesen, in der medizinischen Versorgung, im Straßenbau, aber auch die Verschärfung der Verkehrsregeln beteiligt. Einen gewissen Anteil daran hat auch die Aufklärung der Bevölkerung, an welcher viele Organisationen wie ADAC, Verkehrswacht, unser Interessenverband und auch noch viele andere beteiligt sind. In diesem Rahmen gehen wir seitens unseres Interessenverbandes auch seit Jahren in die Schulen, wo Mitglieder des Interessenverbandes, welche selbst Unfälle erlitten haben und die Problematik genau kennen, Fahranfänger zusammen mit der Polizei über die Risiken und deren Verhütung aufklären.

Um Unfälle verhüten zu können, haben wir 110 Unfallverletzte einer Ursachenanalyse unterzogen und folgende Ergebnisse gefunden:
Psychische Ursachen („menschliches Versagen“) spielen eine deutlich größere Rolle als technisches Versagen. Gleichzeitig sind diese Probleme aber meist schwieriger zu beheben.  Die  häufigste  psychische  Ursache war Konzentrationsmangel in 29 % der Unfälle. Es ist also von höchster Wichtigkeit, sich exakt auf das zu konzentrieren, was man gerade tut – sei es Autofahren, Gehen, Radfahren oder was auch immer. Man darf sich z. B. nicht durch unwichtige Dinge ablenken lassen und auch beim Autofahren nicht grübeln.
Zu Ablenkungen kann es durch Tätigkeiten kommen wie das Einstellen des Autoradios, das Studieren des Stadtplanes beim Fahren, durch Telefonieren, durch intensive Unterhaltung mit dem Beifahrer oder durch das Streiten mit dem Ehepartner. Typische Folgen sind dann Auffahrunfälle und das Überschreiten von Geschwindigkeitsbegrenzungen.
Zur Unkonzentriertheit beim Fahren mit erhöhter Unfallgefährdung kommt es vor allem aber auch vor und nach unangenehmen oder auch angenehmen Ereignissen im Leben wie Prüfungen, Begräbnissen, Hochzeiten, Arbeitsplatzwechsel oder auch auf dem Weg zu Scheidungsterminen. Gerade bei diesen „life events“ ist man besonders unfallgefährdet und muss besonders gut aufpassen oder besser noch, das Steuer abgeben.

So ging bei 26 % der untersuchten Unfallpatienten dem Unfall ein gravierendes Lebensereignis oder eine Lebensveränderung direkt voraus. Diese gravierenden Fälle bestanden in 17 % aus Partner- und Familienproblemen, zu 5 % in einer beruflichen Krise und bei weiteren 4 % bestanden erhebliche akute finanzielle Probleme.

Gerade im Straßenverkehr sollte man sich aber möglichst auch nicht durch andere Teilnehmer aufregen lassen, sonst kann es leicht zu einem Unfall kommen. Man kann es direkt üben ruhig und „cool“ zu bleiben und sich auch in schwierigen Situationen nicht nervös machen zu lassen. Man kann dies trainieren indem man auf der Autobahn oder Landstraße besonders schnelle Verkehrsteilnehmer überholen lässt und sich auch bei schnellem Auffahren nicht dazu verleiten lässt, aggressiv zu reagieren. Auf diese Weise kann man ein eigenes „Antiaggressionstraining“ absolvieren. Man nimmt sich hierbei nicht nur vor, keine Emotionen zu zeigen, sondern sie auch nicht zu empfinden. Man lässt andere bewusst überholen und freut sich darüber, dass man dabei Benzin spart und sich weniger gefährdet. Immerhin war in 53 % der untersuchten Unfälle überhöhte Geschwindigkeit die Hauptursache.

Zeitdruck spielt häufig auch eine wesentliche Rolle. Man sollte sich deshalb beim Autofahren nicht unter Zeitdruck setzen lassen, dazu ist der Straßenverkehr viel zu gefährlich. Den vermeintlichen Vorteil schneller zu sein, bezahlt man leicht mit dem
eigenen Leben und dem der Mitfahrer. Hier mache man sich klar, dass es wichtiger ist anzukommen als infolge eines Unfalls das Ziel nicht zu erreichen und dabei das Leben aufs Spiel zu setzen. Meist schätzen es die Mitfahrer auch mehr, wenn man nicht versucht, sie durch einen besonders schneidigen Fahrstil zu beeindrucken und sie fühlen sich dann auch sicherer. Ein typisches Beispiel hierfür ist „ich habe Gas gegeben, um noch rechtzeitig das Bundesligafußballspiel im Fernsehen zu sehen“.

Von eminenter Bedeutung ist, die Sicherheitsvorschriften einzuhalten. Ganz besonders gilt dies für die Straßenverkehrsordnung.
Es sind im Wesentlichen die nachfolgenden 5 Hauptpunkte, welche Unfälle verhüten lassen. Wenn man diese Punkte mit sich selbst in der Schule, Vereinen oder anderswo trainiert, ist die Wahrscheinlichkeit Unfälle zu verursachen wesentlich geringer:

  1. Mit voller Konzentration bei der Sache sein
  2. Keinen Alkoholspiegel
  3. Cool bleiben - sich nicht durch andere Verkehrsteilnehmer aufregen / nervös machen lassen
  4. Immun gegen Zeitdruck sein, weil man sonst sich und andere gefährdet
  5. Sich aus Sicherheitsgründen an die Straßenverkehrsordnung halten

Durch Aufklärung ist schon in der Vergangenheit viel erreicht worden, aber auch in Zukunft noch einiges zu tun.